Ein Kommentar zur Kostenlos-Gesellschaft

Thorben Wengert  / pixelio.de

Thorben Wengert / pixelio.de

Nicht erst seit dem Aufstieg der Piraten-Partei ist bekannt, dass sich in der Internet-Community ein immer größerer Drang dahin bildet, dass Dinge kostenlos sein müssen. Programme, Musik und Spiele werden alle irgendwo illegal heruntergeladen. Wer etwas bezahlt ist ein Idiot und selbst Schuld.

Dabei muss man allerdings zwei Temperamente unterscheiden. Die einen würden ja gerne für ein Produkt bezahlen, bekommen es aber trotzdem nicht. Häufigster Grund hierbei ist eine Alterseinschränkung oder das Produkt wird gar nicht auf dem deutschen Markt angeboten. Dies ist zum Beispiel bei amerikanischen Serien der Fall, die zum Teil nur mit amerikanischer IP gestreamt werden können. Diese sperre zu umgehen ist zwar auch nicht legal, aber wenigstens nicht moralisch verwerflich. Es entstehen nämlich keine Umsatzeinbußen beim Produzenten. Hier fehlt also einfach ein Angebot, welches von einigen Unternehmern erkannt wird und versucht wird zu bedienen. So kann man hier mehr Filme online schauen, aber auch Dienste wie netflix, hulu oder lovefilm stellen Filme und Serien in einem anderen Format zur Verfügung, um unbefriedigte Märkte zu bedienen.

Ein anderer Fall liegt vor, wenn einfach aus Geiz alles gezogen wird, was einem unter die Nägel kommt. Was vielen nicht bewusst ist, dass dies absolut die gleiche Handlung ist, wie als wenn man im Laden etwas klaut. Nur weil das eine reine Daten sind und das andere ein Datenträger macht es das nicht moralisch oder juristisch weniger verwerflich. Auch wenn man eine DVD im Laden kauft, kauft man eigentlich das geistige Eigentum, denn die Disc und die Hülle zusammen kosten weniger als einen Euro. In dieses geistige Eigentum sind die Arbeitszeit und die Motivation von vielen Hundert Mitarbeitern über einen langen Zeitraum eingeflossen. Der Produzent hat einiges investiert, damit das fertige Produkt im Laden steht. Kann er das Geld nicht mehr zurück erwirtschaften, führt das zur Pleite des Projektes. Dabei muss man bedenken, dass zum Beispiel sowieso nur die Top verkaufenden Spiele einen Gewinn erwirtschaften, der dann zur Deckung der vielen anderen Pleiten genutzt werden muss.

Diese Entwicklung, sowie der technische Fortschritt haben nun dazu geführt, dass immer mehr sogenannte free-to-play Titel veröffentlicht wurden. Spiele die man ganz legal kostenlos spielen kann, deren Geschäftsmodell aber darauf basiert, dass man früher oder später Bonusgegenstände mit echtem Geld kauft, die einem dann im Spiel Vorteile bringen. Meist sind diese Spiele jedoch mit deutlich weniger Aufwand und Motivation produziert, sodass das Resultat mit Bezahl-Titeln einfach nicht mithalten kann. Es kann sein, dass auf diese Weise eine ganze Branche kaputt gemacht wird, da alle versuchen dies zu imitieren.

Klar ist, wer nicht bereit ist für ein Produkt etwas zu bezahlen (entweder mit Geld oder mit seinen Daten, wie bei facebook und Google) kann auch nicht erwarten eine Gegenleistung zu erhalten. So funktioniert unsere Gesellschaft nun mal und ich möchte hinzufügen, dass sie sehr effizient und effektiv funktioniert. Eine Mentalität, die das in Frage stellt und nicht bereit ist, für eine vernünftige Leistung einen angemessenen Preis zu zahlen, wird letztendlich nur sich selbst Schaden.

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